Erich-Kästner-Realschule Tostedt

Gewaltprävention

Konzept zur Gewaltprävention an der Erich-Kästner-Realschule Tostedt

Der Mensch soll lernen, nur die Ochsen büffeln. Der Kopf ist nicht der einzige Körperteil. Man muss nämlich auch springen, turnen, tanzen und singen können, sonst ist man, mit seinem Wasserkopf voller Wissen, ein Krüppel und nichts mehr.“ (Auszug aus der Ansprache zum Schulbeginn von Erich Kästner aus dem Jahr 1954)

„Wer Menschen in 45-Minuten-Rhythmen presst und sie in kognitive, affektive und motorische Lernbereiche zerlegt, darf sich nicht wundern, wenn diese Menschen bisweilen das Klassenzimmer zerlegen; wer körperlose Umgangs- und Lehrformen praktiziert, wird früher oder später damit konfrontiert, dass sich die vernachlässigten Körper nachhaltig in Erinnerung bringen;…. Durchaus gesunde Reaktionen von Menschen, die nicht damit zufrieden sind, aufs Leben vorbereitet zu werden, sondern auch gleich ein Stück Leben(digkeit) in die Schule hineinholen.“ (Hinte, W. Deutsche Lehrerzeitung 16/1993)

Ausgangssituation

Mit diesen Aussagen wird eindrucksvoll und provokativ auf schulische Ursachen und Bedingungen von Gewalt aufmerksam gemacht. Hinzu kommen noch Einflüsse der Medien, das soziale Umfeld, eben unser heutiger Alltag in der Gesellschaft.
Trotz umfangreicher Wissensvermittlung in der Schule sind die Kinder und Jugendlichen in zunehmendem Maße gewaltbereit und sind weniger gut in der Lage, Konflikte konstruktiv zu lösen und greifen schneller zur Gewalt als Mittel, eigene Interessen gegenüber anderen durchzusetzen, wobei die Hemmschwellen gegenüber der Ausübung von Gewalt deutlich herabgesetzt sind.
Von vielen wird gefordert, dass Gewaltprävention dort ansetzen sollte, wo die Kinder und Jugendlichen ihre Interessen täglich untereinander aushandeln müssen und ein Training direkte Auswirkungen auf die Lebensgestaltung hat: in der Schule.

Gewaltprävention ist seit vielen Jahren und in zunehmendem Maße fester Bestandteil unserer schulischen Arbeit. Dabei wird versucht, auf einer breiten Ebene in der Zusammenarbeit von Lehrern, Schülern, Eltern und der Jugendpflege langfristige Maßnahmen zu planen und durchzuführen.
Verschiedene Elemente zur Anwendung auf Schulebene, Klassenebene und auf der persönlichen Ebene stehen als Möglichkeiten zur Verfügung und kommen je nach Bedarfslage zur Anwendung.

Im Einzelnen geht es um die folgenden Bereiche, die hier nur in Stichworten vorgestellt werden:

  • LionsQuest
    • Erarbeiten von Sozialkompetenzen
    • Programm zum Erwachsen werden
    • feste Stunden im Stundenplan für Klassen 5 – 7
  • Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.“
    • Aktive Friedensarbeit an der Kriegsgräberstätte Königsmoor (Pflege)
    • Besuch des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Sandbostel
    • Klassenfahrten nach Usedom , JBS Golm, Besuch Bergen- Belsen mit Namensziegelprojekt
  • Streitschlichter- AG
    • Ausbildung von Streitschlichtern und Einsatz bei Bedarf
  • Patenschaften für die 5. Klassen
    • Ausgebildete Streitschlichter der 10. Klasse übernehmen die Patenschaften für die 5. Klassen
  • „Wir sind stark“
    • Projekt zur Gewaltprävention in den 7. Klassen in Zusammenarbeit mit der Jugendpflege und der Polizei nach Absprache mit den Klassenlehrern/Innen an einzelnen Tagen
  • Schulsanitätsdienst
    • Ausbildung von Schulsanitätern, Bereitschaftsdienste
  • Teilnahme am "Sozialen Tag" (Aktion: Schüler Helfen Leben)
    • Spenden durch Arbeit
  • Humanitäre Schule als Projekt für eine 10. Klasse
  • Schüleraustausch mit Polen und Frankreich
    • Nikolaus Kopernikus Gymnasium Rzeszow (Polen)
    • Collège Château Double aus Aix-en-Provence (Frankreich)
    • Abbau von Vorurteilen
    • Besuch der Gedenkstätte in Auschwitz
  • Hausaufgabenbetreuung
    • SchülerInnen der 10. Klasse betreuen Hausaufgaben jüngerer Schüler
    • Klassenlehrer der 10. Klasse werben für diese bezahlte Tätigkeit
  • Schülermitbestimmung in der SV und den Konferenzen
    • Regelmäßige Treffen der Klassensprecher und Schulsprecher
    • Einbeziehung der Schüler in Entscheidungsprozesse der Schule
    • die SV erhält am Vormittag eine Stunde pro Monat für ein ausführliches Treffen
    • Schüler erhalten einen Tagesordnungspunkt in Gesamtkonferenzen für ihre Probleme und Anliegen
  • Chor, Musicals, Schülerbands
    • Klassenstufen übergreifende Zusammenarbeit der SchülerInnen
    • emotionale Ansprache der SchülerInnen
    • positive Motivation
  • Schule in Bewegung
    • Erarbeitung von Projekten zur gesunden Ernährung, Bewegung
    • Pausengestaltung: Aktive Pause
  • Sauberkeit im Schulhaus und auf dem Schulgelände
    • Jede Klasse ist für die Sauberkeit in der eigenen Schulklasse zuständig. Darüber hinaus ist im wöchentlichen Wechsel eine Klasse für die Sauberkeit in der Schule verantwortlich.
  • Beratungsangebot für Schüler, Lehrer und Eltern
    • Individuelle Hilfen im Einzelgespräch
    • Kontakte zu externen Stellen
    • Moderation in Klassen
    • kollegiale Praxisreflexion
  • Fußball- und andere Sport-AGs
    • Regelmäßiges Training, Freundschaftsspiele
    • Teamarbeit, Wettbewerbe, Stressbewältigung, Konfliktlösungen
  • Schülerbücherei
    • Schaffung von Ruhezonen und Freiräumen in den Pausen
    • Anregungen zum Lesen
    • Verhalten in Büchereien, Museen, …
  • Schüleraufsicht
    • Ausbildung von geeigneten SchülerInnen
    • Durchsetzen der Pausenordnung
    • regelmäßige Auswertung und Information an die SV und Klassenlehrer
  • Schülerzeitung „Really News“
    • Regelmäßige Zusammenkünfte der Schülerredaktion
    • selbstständiges Erarbeiten der Beiträge und der Herstellung der Zeitung
    • Gewaltphänomene werden bewusst und sichtbar gemacht
    • Projekte der Schüler vorgestellt
  • Schulverein
    • Finanzielle Unterstützung verschiedener Projekte
    • z. B. Streitschlichter AG, Schülerzeitung, Bänke für das Schulhaus, Spielgeräte für die 5. Klassen
    • Organisation einer Fortbildung für Lehrer und Eltern „Das Lernen lernen“
  • Schulinterne Lehrerfortbildung (SchiLF)
    • Zur besseren Gestaltung eines aktiven Unterrichts und der Entwicklung der Methodenkompetenzen der LehrerInnen und SchülerInnen fand eine SchiLF statt. Seit dem Schuljahr 2010 / 2011 wid an vier Tagen im Schuljahr ein regelmäßiges Methodentraining mit den SchülerInnen durchgeführt. Nur selbstbewusste, über Methoden aufgeklärte  SchülerInnen sind in der Lage, auf Verlockungen aus der rechten und linken Szene richtig zu reagieren und sich auch nicht auf Drogen jeglicher Art einzulassen.
  • Präventionsrat Tostedt
    • Planung und Koordinierung von Präventionsmaßnahmen in der Samtgemeinde in Zusammenarbeit mit der Gemeinde, der Polizei und Justiz, den Bildungseinrichtungen, Sportvereinen und anderen gemeinnützigen Einrichtungen in Tostedt
  • Tag für Zivilcourage
    • Der tag wird entsprechend der Klassenstufen jährlich für Projekte gegen Mobbing, für ein besseres Schulklima und zur Aufklärung über Extremismus genutzt.
    • Informationen über „rechtsradikale Szene in Tostedt“ im Forum für Zivilcourage
  • Zeitzeugen im Unterricht
    • Die Fachkonferenz Geschichte nutzt die noch vorhandenen Möglichkeiten, Zeitzeugen im Unterricht einzubeziehen und damit den SchülerInnen ein lebendigeres Bild der Geschichte zu vermitteln und geschichtliche Ereignisse richtig einzuordnen.
  • Cafeteria
    • Die Cafeteria als Erholungs- und Pausenraum für SchülerInnen muss ständig an einem gesunden und bedarfsgerechten Angebot arbeiten.
  • Zusammenarbeit Schule, Polizei und Staatsanwaltschaft
    • Die verschiedenen Institutionen arbeiten eng zusammen und stimmen ihre Arbeit in regelmäßigen Zusammenkünften ab. Die Konrektorin ist als Verbindungskraft zur Polizei tätig und die Beratungslehrkraft arbeitet mit der Jugendhilfe zusammen.
  • Fortbildungsmaßnahmen
    • Die angebotenen Fortbildungen zum Thema Gewaltprävention werden ständig gesichtet und bei Bedarf genutzt. (z. B. Mobbing, rechte Szene, Gewalt in der Familie…)
      Außerdem werden die Erfahrungen unserer Arbeit auch anderen Schulen weitergegeben. (z.B. im Schuljahr 2010/2011: Streitschlichter am Gymnasium Tostedt und an  HRS Nenndorf (2006/2007), Zusammenarbeit mit dem Volksbund in Lüneburg)

Ziele

  • Die etablierten Projekte an der Schule werden weitergeführt und weiterentwickelt.
  • Dem Thema Gewaltprävention wird sich regelmäßig mit SchülerInnen, Lehrkräften und Eltern gewidmet. (Schülerfragebogen, Infotafeln, Gesamtkonferenz, ab 2007/08 auch Schulvorstand, Schulelternrat, Dienstbesprechungen, SV)
  • Das Schulumfeld soll verbessert werden. Dazu sollen die Pausenhalle (Schaffung von Sitzmöglichkeiten, Ruhezonen, Cafeteria) und der Pausenhof mit Bewegungs- und Ruhezonen eingerichtet werden.
  • tägliches Angebot einer "Aktiven Pause" in der Sporthalle für die 5. – 7. Klassen
  • Die Schüleraufsicht wird neu konzipiert und effektiver eingerichtet. Dabei soll neben der Aufsichtsführung auch die Zusammenarbeit bei Verstößen mit der SV verbessert werden, um die Übernahme von Verantwortung durch die SV zu verbessern.
  • LehrerInnen unterstützen sich gegenseitig im Umgang mit Konfliktsituationen in der Klasse. Es soll sich eine gemeinsame Einstellung zum Umgang mit Gewalt entwickeln und schulische Maßnahmen kritisch reflektiert werden.
  • Mit den Elternvertretern wird eine gemeinsame Haltung für den Umgang mit Gewaltproblemen und schulischen Konflikten erarbeitet und mit Aktivitäten des Lehrerkollegiums abgestimmt.
  • In allen Klassen gibt es klare Regeln gegen Gewalt, Lob und Strafen. Insbesondere die passive Beteiligung an Gewalt sollte thematisiert werden und Ausgangspunkt für ein Alternativverhalten sein.
  • Regelmäßiges Loben und Anerkennen schafft ein günstiges Klassenklima. SchülerInnen, die sich grundsätzlich geschätzt und anerkannt wissen, akzeptieren auch leichter Kritik an unerwünschtem Verhalten. Konsequente Strafen als unangenehme Folge für aggressives und regelbrechendes Verhalten, dem Geschlecht und der Persönlichkeit des Schülers angemessen, werden durchgesetzt und akzeptiert. In der Regel sind die Eltern in diese Maßnahmen einbezogen.
  • Es sollen regelmäßige Klassengespräche stattfinden, die die sozialen Beziehungen der SchülerInnen untereinander und die Interaktion zwischen SchülerInnen und Erwachsenen zum Thema haben statt. Die Möglichkeiten der einzelnen Unterrichtsfächer werden dabei intensiv genutzt. (Interaktionsspiele, Rollenspiele, Theater, Texte) Entsprechende Vermerke werden in das Klassenbuch eingetragen und besonders hervorgehoben.
  • Der Umgangston zwischen SchülerInnen untereinander und Erwachsenen gegenüber soll sich verbessern. (gegenseitige Achtung, Höflichkeit, Respekt)
  • Die Regeln der Schulordnung und des Schulvertrages zwischen SchülerInnen- Schule- Eltern sollen eingehalten werden.
  • Das Verhältnis zwischen den verschiedenen Geschlechtern innerhalb der Schülerschaft soll sich achtungs- und vertrauensvoll entwickeln.

Erfolgskriterien

Die Umsetzung des Konzeptes in den einzelnen Projekten bedarf einer kontinuierlichen und langfristig angelegten Arbeit. Dabei muss es möglich sein auf aktuelle Probleme schnell zu reagieren und erfolgsversprechende Möglichkeiten nutzen zu können. Die gegenseitige Unterstützung aller an den einzelnen Projekten beteiligten Personen spielt dabei eine zentrale Rolle.

Das Präventionskonzept ist erfolgreich, wenn…

  • sich das Schulklima positiv entwickelt, alle SchülerInnen und Lehrkräfte sich wohlfühlen und eine förderliche Lernatmosphäre herrscht
  • kein Platz für rassistische, rechtsradikale und andere diskriminierende und ausgrenzende Gedanken ist
  • ein höflicher Umgangston untereinander herrscht
  • Mobbing keine Chance hat
  • das Eigentum anderer geachtet wird
  • gegenseitige Hilfe und Unterstützung selbstverständlich ist
  • gut funktionierende Klassengemeinschaften existieren
  • in den Pausen verschieden Möglichkeiten einer aktiven Pause genutzt werden können
  • die SchülerInnen in der Lage sind, aus eigenem Antrieb positive gewaltfreie Alternativen zur Konfliktbewältigung zu entwickeln
  • sich eine Kultur des „Hinsehens und des konsequenten Eingreifens bei Gewalthandlungen“ entwickelt hat
  • die Zusammenarbeit zwischen LehrerInnen , Eltern und SchülerInnen sich verbessert hat
  • eine Vernetzung mit externen Einrichtungen und den Aktivitäten in der Samtgemeinde Tostedt erfolgt

Evaluation

Am Schuljahresende wird in Klassengesprächen eine Bestandsaufnahme gemacht, die zur Erstellung des neuen Fragebogens des Folgejahres dient und aus der sich eventuell neue Schwerpunkte herleiten.
Diese Bestandsaufnahme wird auch vom Schulelternrat und dem Kollegium durchgeführt und Verbesserungsvorschläge gemacht.
Die Ergebnisse werden den einzelnen Projekten öffentlich gemacht und von ihnen ausgewertet. Danach wird das Präventionskonzept überarbeitet.